Mittwoch, 16. Dezember 2020 19:30 Kammermusiksaal

Oskar Hagen (1888–1957)

Kunstgeschichte und Musik zwischen Halle und Wisconsin - Musik hinterfragt

Grünewald

Auszug aus Oskar Hagens Werk "Matthias Grünewald", veröffentlicht 1919 bei R. Piper in München.

Oskar Hagen (1888–1957) - Kunstgeschichte und Musik zwischen Halle und Wisconsin

Referentin: Prof. Dr. Ute Engel, Halle

Ort: Händel-Haus, Kammermusiksaal

 

Dank der Unterstützung des Freundes- und Förderkreises des Händel-Hauses zu Halle e. V. sind die Vorträge für die Zuhörer kostenfrei.

Tickets:
freier Eintritt

Oskar Hagen, geboren 1888 in Wiesbaden und gestorben 1957 in Madison, Wisconsin, ist in der Musikgeschichte bekannt als Begründer der Göttinger Händel-Festspiele 1920. Hagen war jedoch ein Doppel-Talent: Er studierte Musikwissenschaft und Kunstgeschichte und war zeit seines Lebens primär als Kunsthistoriker tätig. Er promovierte 1914 an der Universität Halle bei dem bekannten Kunsthistoriker Wilhelm Waetzold über die „Jugendwerke“ des italienischen Malers Correggio und arbeitete anschließend im Museum für Kunst und Gewerbe in Halle (heute Kunstmuseum Moritz­burg). 1918 habilitierte er sich in Göttingen, wo er als Privatdozent und außerplanmäßiger Professor für Kunstgeschichte wirkte, bis er 1924 an die University of Wisconsin in Madison berufen wurde. Dort gründete er als Professor of History and Criticism of Art das kunsthistorische Institut und die Kunstsammlung der Universität.

Der Vortrag thematisiert vor dem Hintergrund dieses spannungsreichen Lebenslaufes vor allem die kunsthistorischen Schriften Oskar Hagens. So war er einer der frühen Erforscher der Kunst des spätgotischen Malers Matthias Grünewald und publizierte 1920 das einflussreiche Buch „Deutsches Sehen“. Beeinflusst von Heinrich Wölfflin, vertrat Hagen dort die – heute kontrovers zu diskutie­rende – Auffassung, dass es formale und inhaltliche Konstanten in der Kunst einer Nation gebe. Auch in den USA verfolgte Hagen diese Auffassung, als er nun die Kunst Spaniens („Patterns and Principles of Spanish Art“, 1936) oder die zeitgenössische Kunst Nordamerikas („The Birth of the American Tradition in Art“, 1940) untersuchte. Noch vor der Vertreibung zahlreicher deutscher Kunsthistoriker ins Exil durch die Nationalsozialisten gehörte Hagen damit zu denjenigen, die von der deutschen Kunstgeschichte im frühen 20. Jahrhundert entwickelte Methoden in die anglo-amerikanische Wissenschaft vermittelten, wo später gerade diese Methoden kritisch hinterfragt wurden.

Ute Engel ist Universitätsprofessorin für Kunstgeschichte des Mittelalters am Institut für Kunst­geschichte und Archäologien Europas der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 2018 veröffentlichte sie das Buch „Stil und Nation. Barockforschung und deutsche Kunstgeschichte (ca. 1830–1933)“.

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Spannende Themen und hochkarätige Referenten erwarten Sie bei der beliebten populärwissenschaftlichen Vortragsreihe „Musik hinterfragt“. Fachexperten sprechen unter Einbeziehung von Klangbeispielen über musikalische Themen, die mit der Arbeit der Stiftung Händel-Haus verbunden sind oder durch besondere Anlässe, wie Jubiläen, auf breiteres Interesse stoßen. Den Vorträgen schließt sich meist eine offene Diskussion an, bei der die Anwesenden das Gehörte „hinterfragen“ können.