Dienstag, 12.01.2021

Die Stiftung Händel-Haus zieht Jahresbilanz für 2020

Das Jahr 2020 war für die Gesellschaft und auch für die Stiftung Händel-Haus ein schwieriges Jahr. Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 in Deutschland ausbrach, mussten die Händel-Festspiele, die vom 29. Mai bis zum 14. Juni stattfinden sollten, abgesagt werden. Auch die Museen Händel-Haus und Wilhelm-Friedemann-Bach-Haus mussten für mehrere Wochen schließen. Das Bach-Haus ist leider seit März 2020 durchgängig geschlossen, und ein Öffnungstermin ist momentan nicht in Sicht. Von Mai bis Oktober konnten hingegen die Ausstellungen im Händel-Haus und die Bibliothek unter Einhaltung der Hygieneschutzmaßnahmen wieder geöffnet werden. Nach anfänglichem Zögern strömten auch wieder viele Menschen ins Händel-Haus, wobei im Sommer vermehrt Familien das Museum besuchten. Allerdings musste ab dem 2. November bis zum Ende des Jahres das Händel-Haus wieder geschlossen werden, nachdem sich das Corona-Virus im Herbst erneut exponentiell ausbreitete. Zwischenzeitlich fanden Veranstaltungen statt, die der Pandemielage angepasst wurden. Und dank eines speziellen und behördlich genehmigten Hygiene- und Durchführungskonzeptes wurden im Juli und August mit großem Aufwand open-air Kooperationskonzerte mit dem Händelfestspielorchester und später die Konzerte des Jazz-Sommers realisiert. Bis Ende Oktober bot die Stiftung auch zwei Konzerte im Kammermusiksaal bzw. in der Bohlenstube an. Auch wenn bei den Veranstaltungen die Besucherzahl deutlich um bis ca. 70% reduziert werden musste, zeigten sich die Menschen äußerst dankbar und begeistert, dass sie wieder Live-Veranstaltungen erleben konnten. Trotz all dieser Widrigkeiten zählt die Stiftung Händel-Haus knapp 10.000 Besucher im Jahr 2020. Dies ist Ansporn, dass die Stiftung Händel-Haus weiterhin alles dafür tut, um trotz Corona Kultur und Musik am Leben zu erhalten.

Unter dem Motto „Händel trotz(t) Corona“ stieß dann auch am 6. Juni 2020 der „Händel Day“ auf großes Interesse. Kooperationspartner war MDR Kultur bzw. MDR Klassik. In Form eines kostenfreien Internet-Streams verfolgten knapp 21.600 Zuschauer aus 43 Ländern die Kurzkonzerte aus dem Händel-Haus in Halle (Saale) mit Künstlern der abgesagten Händel-Festspiele. Die Zugriffe erfolgten u. a. aus Australien, Neuseeland, Taiwan, Japan, Malaysia, China, der Mongolei, Russland, Iran, Syrien, Polen, Italien, Spanien, Großbritannien, Mexiko, Chile, Paraguay und den USA. Hochkarätige Stars der Barockmusik und „Bridges to Classics“ boten online ein facettenreiches Händel-Festspiel-Programm, darunter der international hochgelobte Countertenor Valer Sabadus, der den Händel-Preis der Stadt Halle, vergeben durch die Stiftung Händel-Haus, von Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand entgegennahm. Eingeleitet wurde das Programm durch ein Grußwort von Staatsminister Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur. Die Stiftung Händel-Haus erhielt sehr positive Rückmeldungen aus der ganzen Welt für das überaus gelungene Programm. Der Stream steht weiterhin zur Verfügung und kann über die Homepage der Stiftung Händel-Haus abgerufen werden.

Im November 2020 mussten nicht nur die Museen der Stiftung Händel-Haus wieder schließen, sondern auch alle geplanten Veranstaltungen abgesagt werden, darunter die beliebten Festtage von „Händel im Herbst“. Die Stiftung Händel-Haus setzte kurzerhand ein kostenfreies Livestream-Konzert mit der Lautten Compagney Berlin am 20. Dezember im Händel-Haus um. Das Konzert „Wie schön leuchtet der Morgenstern - Deutsche Weihnachtsmusik des 17. Jahrhunderts“ sollte ursprünglich im Rahmen von „Händel im Herbst“ bereits am 29. November 2020 in den Franckeschen Stiftungen stattfinden. Knapp 4.000 Zuschauer aus Deutschland, Italien, der Schweiz, den USA, den Niederlanden, Brasilien, Russland und Spanien verfolgten den Stream auf der YouTube- und Facebook-Seite der Stiftung Händel-Haus sowie auf MDR Klassik.

Darüber hinaus wurden in der Stiftung Händel-Haus im Jahr 2020 mehrere Projekte erfolgreich beendet: Am 3. September 2020 wurde die neue und zentrale Eingangssituation ins Händel-Haus in Anwesenheit von Staatsminister Rainer Robra und der Beigeordneten für Kultur und Sport der Stadt Halle, Dr. Judith Marquardt, eröffnet. Mit der aufwendigen Wiederöffnung einer ehemaligen Hofdurchfahrt als barrierefreier Zugang erhielt das Händel-Haus auch sein ursprüngliches Antlitz wieder zurück. Im Verlauf des Jahres konnte ebenso die neu erfasste und digitalisierte Grafiksammlung der Stiftung Händel-Haus kostenlos online gestellt werden. Damit wird die Sammlung der Stiftung auch außerhalb der Ausstellungen für jedermann sichtbar. Ferner wurde mit Landesmitteln das in der Stiftung aufbewahrte Archiv des Verbandes der Komponisten Halle/Magdeburg sowie der Nachlass des Händel-Forschers Walther Siegmund Schultze entsäuert und damit der Nachwelt einer verlustarmen Langzeitarchivierung zugeführt.

In dieser besonderen und nicht einfachen Zeit danken wir unserer Stifterin Stadt Halle (Saale), dem Land Sachsen-Anhalt, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Lotto Sachsen-Anhalt und der Saalesparkasse gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung sowie allen weiteren Förderern und Geldgebern für die großartige Unterstützung in 2020. Clemens Birnbaum (Direktor der Stiftung Händel-Haus): „Nicht zuletzt danke ich dafür, dass alle Partner und Händel-Freunde weiter an unserer Seite stehen und uns eine Planungsperspektive geben, auch wenn wir kaum Planungssicherheit haben. Wir versprechen, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern optimistisch nach vorne schauen und alles dafür tun, dass wir in Zukunft wieder großartige Händel-Erlebnisse anbieten können. Und dabei ist uns die Sicherheit aller wichtig.“

Blick auf die Händel-Festspiele 2021 – Wir tun alles dafür

Vom 28. Mai bis zum 13. Juni 2021 soll die Geburtsstadt von Georg Friedrich Händel wieder Schauplatz glanzvoller Händel-Festspiele sein. Unter dem Motto „Helden und Erlöser“ stehen rund 100 Veranstaltungen an 20 verschiedenen Orten auf dem Programm. Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 in Deutschland ausbrach, war das Programm der Festspiele bereits fertig geplant. Seitdem wurde das Programm um geplant, adaptiert und modifiziert. Die Stiftung Händel-Haus wird mit verschiedenen Konzepten alles dafür tun, dass 2021 wieder Händel-Festspiele - in welcher Form auch immer - gefeiert werden können. Die Entwicklung der Pandemie bleibt aber weiterhin unvorhersehbar, insbesondere was Reisebeschränkungen betrifft. Aus diesem Grund gibt es erstmals in der langen Festspielgeschichte einen gestaffelten Vorverkauf, nachdem die Veranstaltungen einer Risikoanalyse unterzogen wurden. Am 3. Dezember 2020 startete bereits der erste Ticketvorverkauf. Weitere Ticketvorverkäufe werden noch bekannt gegeben.

In einer Stream-Pressekonferenz am 3. Dezember 2020 wurde auf den Kanälen der Stiftung Händel-Haus das Programm vorgestellt. Internationale Stars, beispielsweise die Sängerinnen Lucy Crowe, Sandrine Piau und Kristina Hammerström sowie die Countertenöre Andreas Scholl, Xavier Sabata und Raffaele Pé, die im Rahmen von Festkonzerten auftreten werden, verleihen den Händel-Festspielen einen besonderen Glanz. Das Programm widmet sich in besonderem Maße dem Themenfeld „Helden und Erlöser” und setzt einen Fokus auf das heute noch berühmteste Werk Händels: den „Messiah“. Das Oratorium erklingt bei den Festspielen in drei verschiedenen Versionen bzw. Bearbeitungen: Neben der Händel’schen Londoner Originalfassung kann man die wenig bekannte deutsche Textfassung von J. G. Herder kennenlernen sowie einen bearbeiteten „Messiah“ im karibischen Musikstil, der seine europäische Erstaufführung in Halle feiern wird. In Form von internationalen und nationalen Koproduktionen werden die szenischen Opern „Ariodante“ HWV 33, „Alcina“ HWV 34 und „Teseo“ HWV 9 über die Bühne gehen. Dabei wird „Ariodante“ in einer zauberhaften Marionetteninszenierung mit der Mailänder Compagnie Carlo Colla e Figli und der Lautten Compagney Berlin zu erleben sein. Wer sich an die wunderbaren Produktionen des „Rinaldo“ im Jahr 2011 und „Giustino“ von 2017 erinnert, weiß, dass die Besucher ein besonderes Theaterereignis erwartet. Die Brockes-Passion („Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“) wird von Walter Sutcliffe, einem der gefragtesten Regisseure seiner Generation und designierter Intendant am halleschen Opernhaus inszeniert. Ferner werden konzertant „Giulio Cesare in Egitto“ HWV 17 in einer speziellen Fassung, die erstmals in der Neuzeit erklingt, mit dem La Cetra Barockorchester Basel unter der musikalischen Leitung des Händel-Preisträgers 2021 Andrea Marcon und das von Händel arrangierte Pasticcio „Lucio Papirio Dittatore” HWV A6 mit dem Londoner Ensemble Opera Settecento und Leo Duarte – ebenfalls als neuzeitliche Erstaufführung – aufgeführt. Weiterhin erwartet die Besucher diverse interkulturelle und genreübergreifende Konzerte, wie Baroque Lounges, Jazz-Konzerte, eine Orgelnacht, Chorkonzerte, Familienveranstaltungen, einen Poetry-Slam sowie die traditionellen Open Air-Konzerte in der Galgenbergschlucht, darunter das Symphonic-Rock-Konzert „Bridges to Classics“ mit dem Special Guest Robert Hart der „Manfred Mann’s Earth Band“.